Ein Zaun… Ein Zaun?!? War der schon immer da? So in etwa waren meine Gedanken als ich vor kurzem an einem Morgen mit vielversprechenden Wetterprognosen an eine leicht zu erreichende Stelle ein paar Sonnenaufgangsstimmungen einfangen wollte. Aber der Reihe nach…

Die Wetterprognose für diesen Morgen zum Beginn des Monats Oktober waren sehr vielversprechend. Sonne mit einigen Wolkenfeldern verkündete der Wetterdienst. Perfekt! Ich wählte für dieses Mal eine Stelle etwas weiter oben am Thunersee am Flussdelta der Kander. Der Plan war, den Fluss zu durchwaten und dann auf dem Delta einen guten Spot zu suchen.

Am Abend vorher noch kurz das, leider noch immer wenig genutzte, Tokina 11-20mm 2.8 (Partnerlink) auf die Kamera montiert und alles bereitgestellt.

Zum Glück ist Herbst, es reicht jetzt bereits problemlos um 6:00 aufzustehen, und doch noch rechtzeitig zur spannenden Zeit am Spot zu sein. Die Sommermonate sind diesbezüglich einfach zu hart 😊

Der Morgen

Der Wecker klingelt und ich schleppe mich zum nächsten Fenster um einen kurzen Kontrollblick nach draussen zu wagen. Noch sehr dunkel, doch ich erkenne im wenigen Licht ein paar Wolken am Himmel, das könnte was werden.

Also die Ausrüstung gepackt und ab ins Auto. Unterwegs schnappte ich mir noch die Anglerstiefel um durchs Wasser beim Fluss zu kommen und stecke (zum Glück!) noch die Stirnlampe ein.

Die kurzen 10 Minuten Fahrt zum Parkplatz beim Fluss etwas oberhalb des Sees vergehen schnell. Hüftstiefel montieren (zum Glück ist es finster, sexy ist anders…) und los geht es. Wenn meine Erinnerung mich nicht trübt, muss es im Wald irgendwo einen kleinen Trampelpfad der vom Weg abzweigt geben. Dieser sollte mich direkt an den See führen.

Leider ist es im Wald so richtig dunkel, und meine Stirnlampe ist auf einmal gefühlt auch nicht mehr ganz so hell. Jedenfalls irre ich Wald auf und ab, doch ich kann diese Abzweigung nicht finden.

Naja auch egal, Offroad geht auch. Quer durch den Wald in die ungefähre Richtung schlage ich mich durchs Unterholz. Steige über und unter Bäumen hindurch (Notiz an mich: Hüftstiefel eignen sich nicht dafür) bis irgendwann vor mir ein Zaun auftaucht. Wo ich genau stehe und weshalb es hier nicht weiter geht kann ich mir nicht erklären. Ich folge dem Zaun weiter, bis ich auf einmal den lange gesuchten Trampelpfad finde.

Zwischen den Baumkronen sehe ich bereits erste rötliche Verfärbungen am Himmel. Also geht’s ab jetzt laufend weiter bis an den See. Am Wasser angekommen, gilt es erst noch einen etwa 10m breiten Streifen Wasser zu durchwaten. Auch das ist schnell erledigt. Gerade zur rechten Zeit, als der Himmel sich Dunkelrot und kurz darauf Richtung Violett verfärbt.

Sonnenaufgang am Thunersee mit HDR aus Belichtungsreihe
20mm, HDR aus Belichtungsreihe

Wenn man bedenkt, dass sich all das auf wenigen hundert Metern abgespielt hat, muss ich an meinem Orientierungssinn in der Dunkelheit definitiv arbeiten 😊

Die Bilder

Die Kamera ist dank der Schnellwechselplatte schnell auf dem Stativ in Bodennähe festgemacht. Jetzt gilt es den richtigen Bildausschnitt zu finden und manuell zu fokussieren. Ich wähle die manuelle Fokussierung, weil es deutlich zu wenig Licht hat um den Autofokus zu nutzen. Zusätzlich verhindere ich so, dass beim Auslösen des Bildes automatisch neu (evtl. falsch) fokussiert wird.

Das Fokussieren stellt sich als äusserst schwierig heraus. Es ist noch sehr dunkel und ich habe im gewählten Abschnitt keine Lichtquelle die man gut als Fokuspunkt nutzen könnte (mit der Bildschirmlupe kann wunderbar auf eine Strassenlaterne o. ä. fokussiert werden). Also mache ich es so gut es geht und hoffe, alles richtig gemacht zu haben.

Als Kameramodus wähle ich die Zeitautomatik.

Auf dem Bildschirm der Kamera schaut es schon ganz ordentlich aus.

Wenige Minuten später kann ich noch ein weiteres gutes Bild schiessen. Wie bei allen Aufnahmen an diesem Morgen nehme ich eine Belichtungsreihe mit 5 Bildern und einer Blende unterschied auf, damit ich diese später zu einem HDR zusammenfügen kann.

Als die Färbung im Himmel verblasst, will ich schon zusammenpacken. Glücklicherweise habe ich noch abgewartet, denn die Farbe in den Wolken kommt noch einmal kurz vor dem Aufgang der Sonne in einem genialen Orange zurück.

17mm, HDR aus fünf Bildern

Zufrieden mache ich mich anschliessend (zum Glück mit Tageslicht) wieder auf den Weg zurück zum Auto. Der Weg an den See kam mir im Dunkeln deutlich länger vor…

Nachbearbeitung

Die Bearbeitung der Bilder stellte sich für mich etwas schwieriger als erwartet heraus.

Das erste Bild war leider unscharf. Der Vordergrund ist zwar aktzeptabel, die Berge sind jedoch nicht so abgebildet wie gewünscht. Hier habe ich definitiv den falschen Fokuspunkt gesetzt. Aber seht selbst:

Sonnenaufgang am Thunersee
17mm, HDR aus Belichtungsreihe

Das grössere Problem war aber, eine gute Mischung zu finden, um die Farben bei den Bildern zur Geltung zu bringen und trotzdem nicht zu übertreiben. Ich entschied mich in diesem Fall nun für eine doch sehr starke Ausprägung der Farben, etwas mehr als ich es normalerweise mache. Aber es schien mir in diesem Fall die beste Alternative, um möglichst viel aus den Bildern heraus zu holen.

Damit folge ich wohl dem aktuellen Trend von Instagram und Co. Mehr Kontraste, mehr Dynamik mehr «wow» Effekt.  Ich bin noch etwas hin und her gerissen.

Hier seht ihr einen Vergleich von vorher und nachher.

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Bevor ich die Bilder im Detail bearbeitete, erstellte ich jeweils ein HDR mit 3 oder 5 Bildern. Leider überzeugten mich die Ergebnisse nicht vollends. Die hellen Bilder wurden von Lightroom meiner Meinung nach nur bedingt mit eingerechnet. Der Vordergrund blieb so im Endergebnis so dunkel, dass ich die Tiefen noch deutlich hochnehmen musste, was zu mehr Bildrauschen führte.

Ich habe mir für dieses Vorgehen nun mal noch HDR Projects 4 gekauft, ich werde dann später mal berichten, wie es sich im Vergleich verhält. Evtl. kann ich dann einen kleinen Vergleichstest nachliefern.

Nebst der üblichen Bearbeitung in Lightroom machte ich den Feinschliff noch in Photoshop. Ein paar menschliche Erzeugnisse musste ich noch weg stempeln. Zusätzlich habe ich nochmals etwas mit der Nik Collection an den Farben gearbeitet im Bereich der Kontraste. Auch manuell habe ich mit etwas Dodge and Burn im Bereich der Wolken noch etwas mehr versucht herauszuholen.

Lessons learned

  • Hüftstiefel und klettern im Wald sind eine gaaanz schlechte Kombination.
  • Fokussieren mit so wenig Licht, kann je nach Motiv eine Herausforderung sein. Hier muss ich noch lernen.
  • Bei HDR Bildern stimmt das Ergebnis noch nicht. Entweder brauche ich andere Bilder (mehr, mehr Differenz) oder eine andere Software.

Hast du vielleicht einen Tipp für mich, wie du bei wenig Licht und ohne klare Lichtquellen im Bild fokussierst? Oder kannst du etwas zu den HDR aus Lightroom im Vergleich mit anderer Software sich verhält? Lass mir dazu doch einen Kommentar da.