Nun beginnt sie wieder, die Zeit bei welcher das Wetter lange trüb und nass ist. Wenig Licht, wenig Kontraste und wenig Ideen für spannende Fotoabenteuer. Wer sich für Studio- und Produktfotografie interessiert nutzt die Zeit vorzugsweise für Fotoshootings drinnen. Wer sich jedoch draussen zu Hause fühlt und sich der Naturfotografie zugewandt hat, bangt teilweise lange auf den nächsten Tag mit guten Bedingungen. Eine Alternative dafür habe ich im letzten Winter gefunden. Ein paar Schmetterlinge im Winter fotografieren? Das tönt doch spannend oder?

Der perfekte Familienausflug mit Fotografieren

Etwa eine Fahrstunde von uns entfernt gibt es das Papillorama, ein Tropenhaus bei welchem sich unter mehreren Kuppeln ganzjährig hohe Temperaturen, exotische Pflanzen und Tiere finden. Während eine Kuppel stets dunkel ist, damit nachtaktive Tiere beobachtet werden können, ist eine Kuppel als Schmetterlingshaus und eine weitere als Nachbildung des Regenwaldes ausgebaut.

Solche Tropenhäuser finden sich überall im deutschsprachigen Raum. Diese exotischen Farbtupfer eignen sich wunderbar, um einen Ausflug mit der Familie zu machen und gleichzeitig ein paar tolle Bilder zu schiessen.

Was du unbedingt beachten sollte ist, dass du den grössten Besucherströmen etwas aus dem Weg gehen kannst, ansonsten wird dein Ausflug sehr schnell zum Ärgernis. Gerade am nach dem Öffnen der Anlage ist meistens die beste Zeit (und wenn möglich natürlich nicht am Wochenende, aber da hat nicht jeder die Möglichkeit dazu). Und – wichtig – informiere dich im Voraus, ob das Fotografieren überhaut erlaubt ist. Es gibt hier immer wieder Einschränkungen.

schmetterling_foto_1
90mm, f4.5, ISO 400, 1/800

Ausrüstung

Je nachdem wie das Ausflugsziel ausgebaut ist, kommt man näher oder weniger nah an die Tiere heran. Ich gehe grundsätzlich mit zwei Objektiven auf die Pirsch:

Makroobjektiv mit Brennweite zwischen 50mm und 150mm

Bei der Schmetterlingsfotografie ist ein Makroobjektiv natürlich erste Wahl. Du bekommst so eine erstklassige Abbildungsqualität und mit etwas Brennweite kriegst du das Tier auch gross genug aufs Bild. Ich nutze dazu mein 90mm Tamron Makroobjektiv, welches mir aufgrund der Brennweite am APSC ermöglicht, auch mal ein Tier abzulichten dass ich nicht schon fast mit der Linse berühren kann.

Wenn dein Makroobjektiv noch Lichtstark dazu ist, hast du gleich doppelt gewonnen. Denn auch wenn die Kuppeln recht hell sind, wenn es draussen Trüb ist, können die Lichtverhältnisse für uns Fotografen durchaus auch dort drinnen kritisch werden.

Was ich persönlich an meinem Objektiv schätze ist der Bildstabilisator. Da in solchen Anlagen ein Stativ in den meisten Fällen nicht erlaubt, oder zumindest nicht praktisch einsetzbar ist, hast du hier bedeutend bessere Möglichkeiten. Willst du auch mal eine schöne Blüte einfangen, kannst du die Belichtungszeit etwas länger machen.

rote_blume_foto
90mm, f4.0, ISO 640, 1/60

Zoomobjektiv mit 200mm – 300mm

Ein Zoomobjektiv ist dann von Vorteil, wenn du auch mit Objekten etwas weiter entfernt rechnen darfst. Bei meinem Ausflugsziel ist in einem Teil der Anlage mit exotischen Vögeln zu rechnen. Diese sitzen jedoch nicht immer direkt am Weg. Grundsätzlich dürften aber hier in den meisten Fällen 200mm bis 300mm Endbrennweite reichen. Ein 500mm oder 600mm wäre mir hier zu lang und zu sperrig. Lieber am Computer noch etwas cropen als immer so ein Prügel mit sich herumtragen.

Was du unbedingt brauchst, ist ein schön weiches Microfasertuch! Nach dem Betreten des wirst du mit grösster Wahrscheinlichkeit mit einer beschlagenen Linse aufgrund der extrem hohen Luftfeuchtigkeit zu kämpfen haben. Mit einem weichen und sauberen Mikrofastertuch lässt sich das Problem schnell beheben.

185mm, f8.0, ISO3200, 1/250

Einstellungen

Hier gibt es keine Allgemeingültige Empfehlung. Es kommt selbstverständlich darauf an, wie sich die Tiere gerade verhalten. Hier kommen die allgemeinen Reglen zum Zug. Schnellbewegende Tiere brauchen eine schnelle Verschlusszeit, Blumen und Schmetterlinge die sich ausruhen geben mehr Spielraum.

Wie bereits erwähnt, musst du unter Umständen mit schlechten Lichtverhältnissen rechnen. Damit du trotzdem noch brauchbare Verschlusszeiten erhältst, stellst du einfach die ISO-Empfindlichkeit etwas hoch.. Bei unserem letzten Besuch waren die Lichtverhältnisse richtig schlecht, ich musste teilweise bis ISO 3200 hoch gehen, um noch die nötigen Verschlusszeiten zu erreichen. Was etwas problematisch dabei sein kann ist, dass du bei sehr kurzen Distanzen mit dem Makroobjektiv auch abblenden musst, da die Tiefenschärfe sonst nur noch sehr klein ist. Mit diesem Problem kämpfe ich nach wie vor immer wieder, eine perfekte Lösung habe ich noch nicht gefunden.

schmetterling_auf_orange_foto
90mm, f4.0, ISO 640, 1/160

Bei diesem Bild sieht man wunderbar die Problematik mit der Tiefenschärfe (an den Fühlern).

Welchen Kameramodus du nutzt ist nicht so wichtig. Ich empfehle jedoch die Zeitautomatik, so kann ich schön die Tiefenschärfe selbst bestimmen und die Kamera kümmert sich um die Verschlusszeit. Gehe ich mit der ISO hoch, so habe ich auch schnellere Zeiten.

Bildgestaltung

Die Bildgestaltung mit Tieren ist immer etwas schwierig. Gerade wenn du auf dem Weg bleiben musst und dich nicht von jeder Seite dem Tier nähern kannst.

Grundsätzlich sollte versucht werden, ein paar wenige Grundregeln zu beachten:

  • Tier so gross wie möglich abbilden, aber auch etwas Platz für das drum herum lassen.
  • Die Drittelsregel lässt sich auch hier sehr gut anwenden.
  • Aufnahmen auf gleicher Höhe oder etwas höher als das Tier wirken immer besser als von ganz weit unten (wo möglich natürlich…).
oranger_schmetterling_blume_foto
90mm, f4.0, ISO 640, 1/160

Fazit

Tropenhäuser bilden eine wunderbare alternative, um auch während der eher trüben Jahreszeit mal ein paar schöne Tiere vor die Linse zu bekommen und um mal wieder etwas mehr Farben zu sehen. Da sich ein solcher Ausflug für die ganze Familie eignet, kann hier wunderbar Hobby und Familie kombiniert werden.

Das wichtigste:

  • Nimm, wenn vorhanden, ein Makro und Zoomobjektiv mit.
  • Informiere dich im Voraus, ob es Erlaubt ist zu fotografieren.
  • Ein Mikrofasertuch verhindert extrem lange Wartezeiten bis die Linse wieder klar ist, sollte diese beschlagen.

Und am Schluss noch eine Bitte: Verhalte dich anständig! Man sieht immer wieder Personen mit Kameras, die die Wege verlassen oder Pflanzen abbrechen, nur um ein noch besseres Foto zu bekommen. Das Schadet dem Tropenhaus und führt früher oder später zu mehr Fotoverboten an solchen Orten. Und schliesslich wollen wir ja auch von den anderen Besuchern nicht so wahrgenommen werden oder?

Hast du selbst auch schon im Tropenhaus fotografiert? Was sind eure Erfahrungen?