Blende? Das hat nichts mit geblendet werden zu tun. Bei der Blende handelt es sich um einen der drei Faktoren von Blende, Verschlusszeit und ISO die über ein korrekt belichtetes Bild entscheiden. Die Blende nimmt dabei die Funktion ein, wie viel Licht auf den Sensor durchgelassen werden soll. Die Funktionsweise ähnelt dabei dem menschlichen Auge. Bei wenig Licht (es muss daher viel Licht genutzt werden um zu sehen) wird die Pupille gross. In der Sonne wiederum werden unsere Pupillen deutlich kleiner, damit wir weniger geblendet werden. Und nach genau dem Schema funktioniert die Blende.

Viele Fotografen schätzen die Blende ganz besonders, weil sie es uns ermöglicht, einen Teil des Bildes (z. Bsp. den Hintergrund) unscharf erscheinen zu lassen.

Blendenreihe

Am Anfang ist es elementar zu verstehen, wie die Angaben zur Blende zu lesen sind. Meistens liest man Dinge wie Blende 2.8, f2.8, 2.8 f oder noch weitere Variationen. Dabei ist eigentlich immer dasselbe gemeint, die Einstellung der gewählten Blende.

Wenn du dich länger mit der Fotografie beschäftigst, wird dir auffallen, dass du immer wieder über dieselben Blendenzahlen stolperst. Dies ist kein seltsamer Zufall, sondern basiert auf der sogenannten Blendenreihe. Diese lautet wie folgt:

Blendenreihe Grafik
Blendenreihe Grafik

Zusammengefasst lässt sich sagen:

Grosse Blende – kleine Zahl – viel Licht

Kleine Blende – grosse Zahl – wenig Licht

Gerade in den Anfängen führt dies häufig zu Verwirrung, da gerne eine kleine Blende aufgrund der grossen Zahl als besonders Lichtstark aufgefasst wird.

Die Erklärung zur Tiefenschärfe und Lichtstärke folgt in den nächsten Absätzen.

Lichtstärke

Wie bereits beschrieben ist die Blende dafür zuständig, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass eine Stufe in der Blendenreihe immer doppelt so viel Licht (z. Bsp. 4 -> 2.8) oder halb so viel Licht (z. Bsp. 4 -> 5.6) durchlässt.

Was heisst das in der Praxis:

Ein Foto ist mit folgenden Einstellungen optimal belichtet:

ISO 100, f4, 1/50 Sekunde

Jetzt möchte man z. Bsp. die Verschlusszeit halbieren, damit man keine Unschärfe durch das Verwackeln im Bild hat. Als Ziel möchte man 1/100 Sekunde haben. Das heisst, wir brauchen doppelt so viel Licht um auf dasselbe Ergebnis zu kommen. Das entspricht dann:

ISO 100, F2.8, 1/100 Sekunde

So kann man recht schnell und einfach auch in Situation während dem fotografieren berechnen, wenn man etwas verändern möchte. Wenn du mit einem der Halbautomatischen Modi als Kameraeinstellung arbeitest (z. Bsp. Zeitautomatik) fällt das Ganze nicht ins Gewicht, da hier die Kamera die Berechnung übernimmt. Trotzdem ist es von Vorteil, die Blendenreihe zumindest in den unteren Regionen auswendig zu kennen.

Bei den meisten Kameras lassen sich die Blendenwerte feiner wählen. Gängig sind z. Bsp. 1/3 Blendenstufe, so können auch zwischenwerte wie 1.8 dabei herauskommen. Das kann in der Praxis nützlich sein um eine optimale Belichtung zu erhalten. Will man die Belichtung jedoch manuell berechnen wird’s dann schon etwas schwieriger. In welcher Stufe du die Blende in der Kamera einstellen kannst, ist meistens im Kamerainternen Menü wählbar.

Tiefenschärfe im Zusammenhang mit der Blende

Der andere Faktor der durch die Blende beeinflusst wird ist die Tiefenschärfe (auch Schärfentiefe genannt). Grundsätzlich wird beim Fokussieren nur eine Gewisse Ebene in der Distanz scharf gestellt. Alles was davor oder dahinter ist wird früher oder später unscharf.

Tiefenschärfe Grafik

Die Blende beeinflusst dieses Ergebnis insoweit, dass eine weit geöffnete Blende (z. Bsp. 2.8) eine bedeutend geringere Tiefenschärfe hat, als wenn deutlich abgeblendet (z. Bsp. Blende 16) wurde.

Zusätzlich zur Blende beeinflusst die Brennweite die Tiefenschärfe massgeblich. Desto länger die gewählte Brennweite ist, desto geringer ist der zur Verfügung stehende Schärfebereich. Dies wird häufig gezielt eingesetzt, um eine noch bessere Freistellung zu ermöglichen. Dies ist einer der Gründe, weshalb in der Portraitfotografie so gerne ein 70-200mm f2.8 Objektiv eingesetzt wird.

Hier findest du einen Tiefenschärferechner, der das ganze eigentlich bestens erklärt.

Ein Beispiel:

50mm an einer Crop Kamera (zum Beispiel Nikon d7200)

Distanz 150cm

BlendeSchärfebereich vonSchärfebereich bisTotal Schärfebereich
1.4148 cm152 cm4 cm
2.8145 cm155 cm10 cm
5.6141 cm160 cm19 cm
8137 cm165 cm28 cm

Das zeigt deutlich, wie sich der Schärfebereich verändert. Dies kann einerseits als Stilmittel eingesetzt werden (z. Bsp. verschwommener Hintergrund bei Portrait). Andererseits wollen wir gerade bei der Landschaftsfotografie doch häufig möglichst viel Schärfe. Deshalb wird dort häufig auf Blende 11 oder 16 oder gar noch weiter abgeblendet.

Schauen wir uns einmal zwei Praxisbeispiele an:

Blendenreihe bei 50mm

Bei dieser Bildreihe wurde mit dem Nikon 50mm f1.8 Objektiv dasselbe Motiv 5 Mal aufgenommen. Die Blende habe ich dazu immer weiter geschlossen. Man sieht hier wunderbar, wie sich der Hintergrund immer stärker zu erkennen gibt.

Blendenreihe bei 50mm

Hier nochmals ein Beispiel, wie sich das ganze bei Landschaften auswirkt. Man beachte die Berge und die Boote. Beide Bilder sind out of Cam ohne Nachschärfen oder ähnlichem.

Eine weit geöffnete Blende ist ja eigentlich ganz toll magst du jetzt denken. Viel Lichtstärke und viel Freistellung des Models. Der Traum vieler Fotografen.
Allerdings darf der kleine Schärfebereich nicht unterschätzt werden. Wie wir oben sehen, bleiben bei Blende 1.4 noch 4 cm. Wenn wir jetzt noch etwas mehr Brennweite nehmen, sind wir dabei noch tiefer. Sitzt der Fokus dabei nicht ganz haargenau dort wo du ihn haben willst, hast du sofort unscharfe Bilder. Auch wird in solchen Situationen häufig ein Auge scharf, das andere aber schon leicht verschwommen abgebildet. Das kann gut aussehen, muss aber nicht!

Deshalb ist es extrem wichtig, beim Spiel mit der Tiefenschärfe immer das richtige Mass zu finden. Im Zweifelsfall nehme ich persönlich zwei Bilder mit unterschiedlicher Blende auf, so kann ich zu Hause am Rechner das bessere wählen.

Lichtstärke bei Objektiven

Die maximale Lichtstärke (kleinste Blendenzahl) ist bei Objektiven vorgegeben. Die Kamera hat hier keinen Einfluss.

Die Unterschiede bei den verfügbaren Objektiven ist gewaltig. Deshalb solltest du dir immer genau überlegen, wofür du dein Objektiv einsetzen willst. Fehlende Lichtstärke bei einem Glas lässt sich nur mit grossem Verlust (Stichwort ISO-Empfindlichkeit) kompensieren. Wenn man ehrlich ist, geht nichts über möglichst viel verfügbare Lichtstärke bei einem guten Objektiv.

Wie sind die Angaben zur Blende bei Objektiven zu lesen?

Schauen wir uns gleich ein Beispiel an:

Kitobjektiv 18-55 mm* hat Blende 3.5 – 5.6

Zwei Blendenwerten heisst, dass die grosse Blende, hier 3.5, beim kleinsten Ende (18mm) verfügbar ist. Die Blende 5.6 ist dagegen beim grössten Ende (55mm) möglich. Dazwischen Stuft sich das ganze ab. Das heisst, wir haben bei diesem Objektiv bei der beliebten Einstellung von 50-55mm nur eine Blende von 5.6 zur Verfügung.

Nikon D5100 mit Kitobjektiv 18-55mm

Nehmen wir als Vergleich (das von mir gern genutzte) Tamron 17-50 f2.8.*

Hier siehst du, dass wir nur eine Blendenzahl haben. Das heisst, das Objektiv verfügt über eine durchgehende Blende von 2.8. Sie verändert sich also nicht, wenn du eine andere Brennweite am Zoom wählst.

Im Vergleich zum oben genannten Nikon Objektiv haben wir also zwei ganze Blendenstufen mehr. Im Endbereich um die 50mm. Wir können hier also schon mit deutlich schnelleren Belichtungszeiten oder tieferen ISO Werten fotografieren. Diese zwei Blenden machen in der Regel den Unterschied, ob du bei Fotos drinnen den Blitz benötigst, oder ob du mit dem vorhandenem Licht noch klar kommst.

Gehen wir jetzt noch eine Stufe weiter:

Festbrennweite Nikon 50mm f1.8

Hier handelt es sich jetzt nicht um ein Zoom, sondern um ein Objektiv das nur eine Brennweite hat (Festbrennweite). Dadurch kann das ganze Objektiv anders gebaut werden (in dem Fall auch kleiner und leichter als die oben genannten) und hat nochmals eine deutlich bessere Lichtstärke.

Zum Vergleich bei 50mm:

Nikon 50mm f1.8 im Vergleich zum Tamron 17-50 f2.8:                1 1/3 Blendenstufen mehr

Nikon 50mm f1.8 im Vergleich zum  Nikon 18-55 3.5-5.6:            3 1/3 Blendenstufe mehr

Das sind in der Praxis massive Unterschiede. Aus diesem Grund empfehle ich wann immer möglich, gerade für Brennweiten bis und mit ca. 50mm ein möglichst Lichtstarkes Objektiv zu kaufen. Selbstverständlich sind auch Objektive mit Blende 1.4 oder 1.2 erhältlich. Diese sind jedoch in der Regel deutlich teurer, weshalb ich sie jetzt mal aussen vorlasse. Wenn du allerdings noch mehr Qualität in der Tasche möchtest, lohnt sich ein Blick zu diesen Objektiven auf jeden Fall.

Blende und Schärfe

Grundsätzlich sind die meisten Objektive bei Offenblende (grösste zu wählende Blende) nicht gleich Scharf, wie sie etwas abgeblendet sein können. Desto besser die Qualität des Objektivs ist, desto geringer ist dieser Effekt in der Regel festzustellen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich bei den meisten Objektiven ein wenig abzublenden, sofern die Umstände und die Bildgestaltung dies erlauben. Bei den im Netz verfügbaren Testberichten zu Objektiven ist häufig auch eine entsprechende Angabe zu finden, bei welcher Blende die Objektive am schärfsten sind.

In den meisten Fällen hilft es bereits, wenn um eine halbe oder ganze Blendenstufe abgeblendet wird, das Abbildungsergebnis ist meistens schon bedeutend schärfer.

Lerne hier deine Objektive kennen, bei welcher Blende dir das Abbildungsergebnis am besten gefällt.

Es darf jedoch nicht beliebig abgeblendet werden, jedes Objektiv erreicht seine maximale Auflösung bei der sogenannten förderlichen Blende. Diese liegt meistens irgendwo zwischen Blende 4 und 11. Wird weiter abgeblendet, tritt auch hier wieder der Effekt ein, dass das Abbildungsergebnis etwas schlechter wird. Grundsätzlich ist aber die gewonnene Tiefenschärfe durch das Abblenden von grösserer Bedeutung als die mögliche Unschärfe durch eine entsprechende Blendenwahl.

Fazit

  • Um möglichst viel Licht einfangen zu können, muss eine weit geöffnete Blende (kleine Blendenzahl!) gewählt werden.
  • Möchtest du den Hintergrund unscharf erscheinen lassen, wähle eine möglichst weit geöffnete Blende (kleine Blendenzahl!).
  • Willst du eine grosse Tiefenschärfe erreichen (z. Bsp. bei der Landschaftsfotografie) ist weiter abblenden in der Regel die beste Wahl.
  • Die Lichtstärke der Objektive ist fix vorgegeben, entsprechend sollte schon beim Kauf darauf geachtet werden, wofür das Objektiv verwendet wird.
  • Abblenden um eine halbe oder ganze Blende kann das Abbildungsergebnis positiv beeinflussen.