Seit mein Sohn auf der Welt ist, ist er mein häufigstes Fotomotiv. Die ersten Versuche zu Beginn waren noch bevor ich den Entschluss fasste, jetzt fotografieren zu lernen. Entsprechend schlecht sind die Bilder. Der Bildaufbau passt nicht und ausserdem sind sie auch technisch schlecht (vollkommen verrauscht). Nach nicht ganz zwei Jahren kommen doch mittlerweile schon ganz ansprechende Bilder auf die Speicherkarte. Kinder zu fotografieren ist keine Raketenwissenschaft, in meinen Augen reichen ein paar wenige Tipps aus, um bereits deutlich bessere Ergebnisse zu erzielen.

Kurzer Einschub:
An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich im Bezug auf Kinderbilder leider grösstenteils auf Stockfotos zurückgreifen werde und nicht die Fotos meines Sohnes publizieren werde. Da ich hier unter meinem richtigen Namen zu finden bin, ist leicht die Identität meines Jungen zurück zu verfolgen. Da das Internet niemals vergisst haben wir uns entschlossen, keine Fotos online zu posten, bei denen unser Kind zu erkennen ist. Ich hoffe hier auf euer Verständnis.

Die Tipps in dieser Reihe werde ich in regelmässigen Abständen erweitern. Einerseits lerne ich sicher wieder mehr dazu, andererseits dürfte gerade am Anfang jedes Kinderalter andere Gestaltungsmöglichkeiten mit sich bringen. Jetzt mit knapp zwei Jahren ist schon vieles soooo fest anders, als es noch am Anfang war (da war er noch etwas weniger mobil, das ist gar nicht mal so schlecht 😊 ).

Die folgenden Tipps beziehen sich auf Fotos im Alltag. Ohne Studio und ohne gestellte Situationen. Das Kind soll möglichst natürlich und in seinem Element abgebildet werden.

Stockfoto CC0 Lizenz von Pixabay

Lichtstarke Objektive

Spätestens dann, wenn sich das Kind frei bewegen kann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bei jedem Blitz das Kind auf euch aufmerksam wird und sich unnatürlich anfängt zu verhalten oder sich sogar zu euch begibt um die Fotos auf dem Bildschirm anzuschauen (war das früher mit den Analogen Kameras weniger schlimm? 😉 ).

Mit einem Lichtstarken Objektiv könnt ihr auch bei weniger Licht noch Fotos schiessen ohne einen Blitz einzusetzen. Mit ein wenig erhöhter ISO geht dies sogar auch dann, wenn man nicht über eine besonders grosse Fensterfront verfügt oder wenn draussen mal schlechtes Wetter ist.

Meine Fotos wurden bedeutend besser, sobald ich ein Objektiv mit Blende 2.8 gekauft hatte. 1.8 (oder gar noch tiefer) ist natürlich noch besser. Am liebsten nutze ich hier mein Tamron 17-50 f2.8. Dieses (oder ähnliche Modelle anderer Hersteller) sind eigentlich recht preiswert zu bekommen und bieten schon deutliche Lichtvorteile gegenüber den meisten Kit-Linsen.

Brennweite

Grundsätzlich wird ja als Normalobjektiv immer etwas um die 50mm am Vollformat empfohlen (entsprechend ca. 35mm an APSC). Für Portraits und ähnliches ist dies tatsächlich eine gute Wahl. Bei Kindern hat dies aber einen riesen Nachteil. Ihr seid zu nah dran! In Innenräumen lässt es sich je nach grösse der Räume teilweise gar nicht anders lösen. Aber auch da bin ich der Meinung, sollte man die Brennweite soweit es geht ausreizen. Spätestens dann, wenn ihr auf einem Spielplatz unterwegs seid, seid ihr mit einer Normalbrennweite einfach zu nah am Kind. Die Folge ist, dass die meisten Kinder auch hier ihr natürliches Verhalten unterbrechen und entweder posieren oder gar nicht mehr zu fotografieren sind.

Ich nutze zu Hause im Wohnzimmer in den meisten Fällen 50mm am APSC. Das ist mir zwar eigentlich aus den oben genannten Gründen zu kurz, geht aber in meiner Wohnung fast nicht anders, wenn ich den Kleinen noch ganz draufbekommen möchte. Draussen auf dem Spielplatz oder am See nutze ich jedoch meistens 90mm (ca. 135 am FX). Da kann ich noch bedeutend weiter weg. Trotzdem überlege ich mir, ein 70mm-200mm zuzulegen. Das würde mir nochmals mehr Distanz ermöglichen.

Verschlusszeit

Unterschätze niemals die Geschwindigkeit eines Kindes, das musste ich schmerzhaft selbst lernen. Mit Verschlusszeiten um die 1/100 Sekunden die bei Portraits absolut in Ordnung sind, kommt ihr bei einem sich bewegenden Kind schon an die Grenze. Das Resultat sind unscharfe Bilder. Ich empfehle hier etwa 1/200 Sekunden zu nutzen. In den meisten Fälle reicht dies aus, wenn ihr einen zukünftigen 100 Meter Sprinter zu Hause habt müsst ihr vielleicht sogar noch weiter runter.

Bildausschnitt

Experimentiert mit unterschiedlichen Bildausschnitten. Ein Kind mitten in seiner Umgebung ist toll und zeigt wie das Kind gelebt hat. Aber manchmal ist einfach zu viel drum herum, deshalb ist es durchaus empfehlenswert, Kinder fast Bildausfüllend abzubilden. Ihr habt einfach mehr Kind, mehr Ausdruck und mehr Emotionen im Wind.

Je kleiner das Kind, desto weiter ins Detail kann man gehen. Fotos von Händen, Füssen oder Gesichtern eines Neugeborenen sagen so viel mehr aus, als ein kleines Kind verloren in einem riesigen Stubenwagen oder Kinderbett.

Stockfoto CC0 Lizenz von Pixabay

Viel und häufig fotografieren

Dieser Punkt bringt euch gleich drei Vorteile:

  • Das Kind gewöhnt sich mit der Zeit daran, dass die Kamera hervorgeholt wird. Die «Wow» Effekte des Kindes für das elektronische Spielzeug wird recht bald abnehmen und euch bessere Fotos ermöglichen.
  • Die Chance auf ein gutes Foto erhöhen sich durch die Anzahl an Bilder automatisch. Speicherplatz kostet heute ja kaum noch was. Und am PC aussortieren kann man ja immer noch.
  • Ihr werdet immer besser! Durch das viele üben werdet ihr immer routinierter im Umgang mit eurem Gerät und mit der Situation mit den Kindern. Das wird sich je länger je stärker auszahlen und euch zu besseren Ergebnissen helfen.

Blickwinkel oder auch: Auf den Boden!

Das ist in meinen Augen der wichtigste Tipp. Fotografiert Kinder wenn möglich auf Augenhöhe (oder noch von weiter unten). Die Bildwirkung ist eine komplett andere. Das Kind wirkt aus dieser Perspektive bedeutend kompetenter und ihr seid gefühlt beim Bild «am Kind». Das Ganze stellt kein Vergleich zu den «von oben herab weils grad so praktisch ist» Bilder da. Versucht das, ihr werdet begeistert sein!

Warnung: Das Ganze führt aus eigener Erfahrung dazu, dass ihr auf dem Spielplatz schnell mit schrägen Blicken rechnen müsst. Die meisten Leute die sich dort rum treiben verstehen es nicht so ganz, weshalb man sich mit der Kamera im Dreck wälzt. 😊

Stockfoto CC0 Lizenz von Pixabay

Das waren erst einmal meine sechs wichtigsten Tipps für die Kinderfotografie.

Habt ihr noch weitere wichtige Tipps für die Fotografie von Kindern bis zwei Jahren?